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Alles hat
seine Zeit
So ist das nun mal eben. Man geht eine gewisse Strecke des
Weges gemeinsam und merkt irgendwann, dass man an einer Kreuzung angekommen
ist, an der es nun heißt Abschied zu nehmen.
Meinen ersten
Kontakt mit Karin Wimmer-Kieckbusch hatte ich 1995. Ich las damals eine Anzeige
und wollte mehr über den Wäller erfahren - zumal die Hündin
meiner Eltern vom Äußeren sehr gut ein Wäller hätte sein
können. 1996 besuchte ich mein erstes Wällertreffen und war
so begeistert von der Idee einer neuen auf Wesen gezüchteten Rasse, dass
ich in den 1.WCD eintrat. Ich beschäftigte mich sehr mit dem Aufbau und
die Fragen, die sich mir daraufhin stellten, wurden mir sehr ausführlich
von Karin beantwortet. Zudem kam von ihr die Frage, ob ich mich denn nicht mit
in der Zuchtkommission engagieren wolle. Also begann Ende des Jahres
für mich die ehrenamtliche Tätigkeit im Verein, die (mit einer Pause
um das Jahr 2000 herum) bis zum April 2009 andauerte. Es waren Jahre,
in denen ich viel gelernt habe und einiges auch weitergeben konnte.
Ich habe viele Wäller als Bewerterin bei Wesenstests gesehen, habe
einige Welpen bei der Wurfabnahme begutachten können und viele liebe
Menschen kennen gelernt. Ich bin meinen Vorstellungen der
Wällerzucht immer treu geblieben, auch wenn noch immer kein Wäller
bei mir lebt. Zuerst war es beruflich nicht möglich, schließlich
konnte ich Welpen und Kleinkind nicht unter einen Hut bringen. Und irgendwann
entwickelte sich die Zucht in eine in meinen Augen verkehrte Richtung, so dass
ich mich nun gegen einen Wäller als Haustier entschieden habe.
Was ist es nun, was in meinen Augen verkehrt läuft. Das sind
einige Punkte, die ich nun auch gar nicht im Detail beschreiben möchte.
Aber es gibt Dinge, die für mich einfach nicht gehen. Dies betrifft
zum einen den Bereich des Clubs, der nach außen repräsentiert. Und
zu dieser Repräsentation gehören nach wie vor ganz stark die
Zuchtbücher. Das letzte Zuchtbuch, welches ich mir gekauft habe, ist das
von 2004. Und das nicht etwa, weil ich die anderen nicht mehr kaufen wollte,
sondern weil man sie nicht kaufen konnte - und es im Übrigen immer noch
nicht kann. Diese Verzögerung kommt wohl daher, weil ein neues
professionelles Programm angeschafft wurde, mit dem die Zuchtbücher noch
besser aussehen sollen. Die Einarbeitung in dieses Programm hat dann aber wohl
länger gedauert als ursprünglich gedacht - und dauert wohl immer noch
an. Da stellt sich mir aber allen ernstes die Frage, ob ein so aufwendiges
Programm wirklich notwendig gewesen ist? Im Prinzip kann ich auch mit Word und
einem guten Copy-Shop die Zuchtbücher herstellen, ohne dass sich jemand in
ein wohl auch nicht ganz billiges Profiprogramm einarbeiten muss, der auch
dafür eigentlich keine Zeit hat. Das ist für mich einfach nicht
nachvollziehbar und so nach außen auch nicht kommuniziert worden. Was
macht das für evtl. Interessenten für einen Eindruck, wenn hier so
"geschludert" wird? Repräsentiert wird der Club auch durch unseren
Internetauftritt. Den Welpenkäufern, die bei mir Rat suchen und denen ich
Tipps zur Züchtersuche gebe, rate ich, sich auch immer die
Internet-Präsenz sehr genau anzusehen. Nun ist aber auf unserer HP schon
seit über einem halben Jahr die Zuchtordnung nicht online, da sie
angeblich überarbeitet wird. Gibt es eine solche Ordnung vielleicht gar
nicht? Oder steht etwas drin, was vielleicht nicht so ganz koscher ist? Diese
Frage mag sich der eine oder die andere stellen, die sie vergeblich auf der
Wällerclub-Seite suchen. Und dann will der WCD sich positiv von dem WFD
abheben? Macht für mich keinen seriösen Eindruck. Und es muss mir
jetzt niemand mit dem Satz kommen, dass ja schließlich alle nur
ehrenamtlich tätig sind. Das weiß ich selbst. Aber wenn man
dafür keine Zeit hat, sollte man sich Hilfe suchen - ein kurzer Aufruf in
einer der Wäller-Infos wäre doch auch eine Möglichkeit gewesen,
aber darauf würde ich wohl noch die nächsten 14 Jahre warten.
Seriosität hat für mich auch etwas mit Unabhängigkeit zu
tun. Und diese Unabhängigkeit sollte nicht nur bei der Zuchtzulassung
zwischen Bewerter und Prüfling bestehen sondern in meinen Augen auch
durchaus schon bei der Wurfabnahme. Es sieht nach außen hin doch sehr
nach Vetternwirtschaft aus, wenn Zuchtwarte, die auch Züchter sind, einen
Wurf abnehmen, dessen Mutterhündin aus ihrer eigenen Zucht kommt.
Nennt mich jetzt kleinlich, aber nicht nur in meinen Augen ist das ein Ding
der Unmöglichkeit und wird so auch in keinem anderen Verein, den ich
näher kenne oder mit dessen Zuchtwarten ich mich unterhalten habe,
praktiziert. Nein, ich möchte jetzt nicht weiter auf den konkreten
Fall eingehen, bei dem mir dann auch noch Dinge unterstellt wurden, die so
definitiv nicht stimmen. Züchten heißt auch, in
Generationen zu denken. Da war das erste, was ich gelernt habe. Das bedeutet
aber für mich, nicht nur Hündinnen nach einem Deckakt/Wurf die Zeit
zu geben, die sie brauchen und dann zunächst auch die Welpen zu sehen und
zu beurteilen. Das gilt insbesondere auch für junge Rüden.
Mal eine
fiktive Überlegung:
Ein Hund kann bei einer
Zuchtzulassung super abgeschnitten haben. Er deckt auch eine tolle Hündin,
aber bei der Nachzuchtbeurteilung stellt man fest, dass die Welpen nicht das
erhoffte/gewünschte Wesen aufweisen. Die Hündin wird nun mit einem
anderen Rüden verpaart und die Welpen bzw. Junghunde aus dieser Verpaarung
haben genau das Wesen, das man sich erhofft hat. Es liegt nun nahe, das
problematische Wesen in der Veranlagung des Rüden bzw. vielleicht auch nur
seiner Eltern oder Großeltern zu suchen. Was aber nun, wenn genau
dieser Rüde in der Zwischenzeit noch mehrere andere Hündinnen gedeckt
hat, weil er ja ein ach so tolles Wesen hat? Ist es dann nötig, sich bei
der nächsten Nachzuchtbeurteilung auch wieder zu wundern? Nein, ist es
nicht, man hätte lediglich mit den weiteren Deckakten des Rüden
warten können, bis die Nachzucht das erste Mal beurteilt wurde.
Warum werden solche grundlegenden Dinge bei der Wällerzucht nun
nicht gemacht? Ist es fair, alleine den Züchtern die Verantwortung in die
Schuhe zu schieben (die wollten den Rüden unbedingt als Vater)? Wäre
da die viel gepriesene Beratung nicht noch etwas intensiver notwendig gewesen,
um eben auch solche Punkte den Züchtern (die oftmals das erste Mal ihre
Hündin decken lassen und auf alles vertrauen, was die zuständigen
Ansprechpersonen ihnen sagen) ins Gedächtnis zu rufen? Das sind
Fragen, die mir bisher niemand beantwortet hat. Was mir auch niemand
beantworten konnte war meine Frage nach kritischen Stimmen, die ich immer
wieder hören oder lesen muss. Manchmal frage ich mich dann, ob ich eine zu
dunkle oder die anderen eine zu rosarote Brille tragen. Ich höre von den
Funktionsträgern immer nur, dass alle so begeistert sind, dass alles so
toll ist und dass sich die Zucht in eine tolle Richtung entwickelt. Da liegt
nun der Vergleich mit einem "Friede-Freude-Eierkuchen-Verein" (der Ausdruck
stammt im Übrigen nicht von mir sondern von anderen WCD-Mitgliedern) recht
nah. Und es scheint nicht so zu sein, dass ich wirklich die einzige bin,
die versucht, negative aber konstruktive Kritik zu bringen, auch wenn mir das
immer wieder weisgemacht wird. Nein, ich weiß, dass noch einige andere
versucht haben, Dinge anzusprechen, die eben nicht so laufen, wie es
wünschenswert wäre. Aber diese wirklich konstruktiv gemeinte Kritik
prallt ab und wird nicht ernst genommen. Sie wird heruntergespielt und unter
den Tisch fallen gelassen. Für mich ist nun einfach ein Punkt
erreicht, bei dem ich abwägen muss: Ist mir der Wäller es wert,
weiter gegen Windmühlen zu kämpfen und auf taube Ohren zu
stoßen? Nein, ist er definitiv nicht! Zumindest nicht in diesem
Verein unter dieser Leitung. Es fällt mir schwer, 13 aktive Jahre
einfach so abzulegen und meine ehrenamtliche Tätigkeit aufzugeben, aber
ich sehe für mich hier einfach keine Zukunft mehr. Ich
wünsche dem Wäller von Herzen, dass ich komplett verkehrt liege und
wirklich nur die zu dunkle Brille trage. Ich wünsche dem Verein viele
ehrenamtliche Hände, die einander tragen und helfen und sich konstruktiv
um den Verein kümmern. Ich wünsche den Mitgliedern und ihren Hunden
noch lange gemeinsame Jahre und viel Freude bei der Arbeit in Verein,
Hundeschule, Familie.
Macht's gut!
P.S. Es
ist traurig zu erfahren, wie mit kritischen (Noch-)Mitgliedern umgegangen wird.
Diese Erfahrungen wünsche ich keinem.
Erstellt am
09.10.2009 |